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60 Jahre Heckler & Koch – ein Grund zu feiern?

10. August 2009 [ 8 Kommentare ]

Heckler & Koch, Hersteller von Gewehren, Pistolen und Granatwerfern, wird in diesem Jahr – ebenso wie die Bundesrepublik Deutschland – 60 Jahre alt. Auf der Firmen-Homepage steht zur Gründung des Unternehmens durch die Ingenieure Edmund Heckler, Theodor Koch und Alexis Wilhelm Seidel:

“Geprägt von den Ereignissen des zweiten Weltkrieges und dem Verbot der Alliierten, Kriegswaffen herzustellen, wurden zunächst dringend benötigte Güter wie Fahrrad- und Nähmaschinenteile produziert.”

Aber die drei Gründer haben allesamt beim Waffenproduzenten Mauser gelernt, und als die Bundesrepublik Deutschland die Bundeswehr aufbaute, hatten sie mit dem G3 das Produkt, das die Auschreibung als Infanteriegewehr der Bundeswehr auf Anhieb gewann. Die Lizenz ging in die Hände des Bundes über. Sie wurde jedoch zu Beginn der 60er Jahre an andere Staaten weitervergeben. Etwa 1961 an die damals vom Diktator Salazar regierte Kolonialmacht Portugal, danach an Pakistan, an den Iran des Schahs von Persien, an die Türkei, an Saudi Arabien, an Brasilien und Mexiko, Thailand und an Myanmar, einem der brutalsten Regime der Welt. Sie ermöglichten diesen Ländern den Aufbau einer eigenen Waffenindustrie und führe zu Waffenexporten, die nicht kontrollierbar waren bzw. nicht kontrolliert werden wollten, denn laut Verträgen betraf die Lizenz nur Waffen für den Eigenbedarf der entsprechenden nationalen Streitkräfte. Noch besser als die G3 ist die G36 und das HK36. Auch diese werden inzwischen vielfach in den genannten und weiteren Ländern produziert. Weltweit sind sicher mehrere Millionen von ihnen im Umlauf.

Heckler & Koch wirbt mit dem Slogan “Keine Kompromisse” für die Qualität, Präzision und Effizienz ihrer Produkte. Was bedeutet aber in der Realität Qualität, Präzision und Effizienz? Denn es geht hier nicht um Spülautomaten oder Eierkocher, sondern um Gewehre. Präzision heißt dann das, was die pakistanischen Lizenznehmer POF in ihrer Werbung “Right on Target” (direkt ins Ziel) nennt – und das Ziel ist ein Mensch.

Wie viele Menschen haben von der Präzision und Effizienz der Gewehre, MPs und MGs mit ihrem Leben bezahlt?

Der Buchautor Jürgen Grässlin rechnet auf der Basis von Schätzungen von UNICEF und dem Internationalen Roten Kreuz über die Zahl der Opfer von Kleinwaffen mit etwa 1,5 Millionen Menschen, die von 1961-2000 durch Waffen von Heckler & Koch getötet worden sind. Eine eher konservative Schätzung, die von einem Anteil von Heckler & Koch-Waffen von acht Prozent ausgeht. Seitdem sind viele hinzugekommen, statistisch gesehen wahrscheinlich 104 pro Tag, also jede Viertelstunde wird ein Mensch aus einer G3 oder MP5 erschossen.

“Wenn wir nicht exportieren, tun es andere” ist die Rechtfertigung, die sicher der Wahrheit entspricht. Die andere, dass die Waffen zur Verteidigung hergestellt würden. Das mag die Vorstellung der Produzenten sein, auf dem Schlachtfeld sieht das vielfach anders aus bzw. sie ist eine Frage des Standpunktes.
Eine ganz andere Frage ist, ob Waffen eben solche “wertfreie” Produkte sind wie Eierkocher oder Fahrräder. Die Antwort ist in einem anderen Sinne des Begriffes “wertfrei”: Ja. Denn der Mensch, der in den ‘Genuss’ der Präzision dieses Produktes kommt, ist tatsächlich wertfrei, d.h. er ist nichts wert. Er stand direkt im Ziel, er war das Ziel der Kreativität, des Mutes zu unkonventionellen Überlegungen und der exakten Marktkenntnisse der Entwicklungsingenieure von Heckler & Koch. Was geht in deren Kopf eigentlich vor, wenn sie sich Gedanken über effiziente Arten des Tötens machen? (Vielleicht könnte ein solcher sich im Kommentarfeld mal dazu äußern.)

60 Jahre Heckler & Koch – ein Grund zu feiern? Für die Oberndorfer sicher – für die Opfer sicher nicht.

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Autor/in: Stephan Brües Abo: RSS-Feed | Mehr...



8 Kommentare »

  • MikeBelov sagt:

    HK und sein 60 Geburtstag.

    Wir können doch sehr stolz sein, das wir eine so gute Firma haben, die mit Ihren Produkten Menschenleben retten kann. Sonst wären nicht so viele Spezialkräfte mit diesen Produkten ausgerüstet. Also stimmt der Slogan Qualität und keine Kompromisse. Es ist richtig, das man mit den Produkten von HK Menschen töten kann. Ich sehe das mal so, jeder Alltagsgegenstand, kann zweckentfremdet werden. Und so zu einer Waffe werden. Die Waffe wird erst zum tötungsobjekt, in der falschen Hand eines Menschen. Wenn die Produkte richtig eingesetzt werden, so retten sie unschuldiges Leben ( Befreiungsschuss). Ich sehe diese Produkte als Kunst an.
    Es obliegt an den Menschen die Waffen zu missbrauchen oder sie richtig ein zu setzen. Hk trifft da keine schuld. Autos werden auch eingesetzt, und nicht immer friedlich. Wie die Statistiken zeigen.

  • Stephan Brües (author) sagt:

    Verehrter Herr Belov,

    nur kurz: die Funktion eines Autos ist es, die Insassen sicher von einem Ort zum anderen zu bringen. Ihre Funktion ist es nicht, Menschen zu überfahren. Das geschieht unabsichtlich, fahrlässig und sehr selten auch absichtlich. Aber – wie gesagt – es ist nicht dafür geschaffen worden, andere Menschen zu verletzen oder gar zu töten.

    Das ist bei Waffen, wie sie Heckler & Koch herstellt, gänzlich anders. Natürlich können diese Waffen Menschen schützen – und einige der von mir erwähnten 1,5 Millionen Toten, mögen in Notwehr erschossen worden sein. Aber es sind sehr wenige. Die große Mehrheit ist der Funktionsweise der Waffenhersteller gemäß benutzt worden, und das ist zum Mord im Krieg.
    Insofern kann ich nicht nachvollziehen, inwiefern Waffen, die derartig eingesetzt werden, zweckentfremdend sein sollen.

  • DerNEUE sagt:

    @MikeBelov

    Zitat: Hk trifft da keine schuld.

    Warum trifft bitteschön HK keine Schuld????
    Wen gibt HK denn die Waffen….. ok hier und da mal ein paar Sonder Einheiten schön und gut aber trotzdem verkauft HK waffen an die nicht “Guten Menschen” wie damals Portugal, Pakistan, Iran usw. ?????
    Da kämpfen die Sondereinheiten gegen die Menschen die genau wie sie selbst mit HKs ausgerüstet (werden) wurden……
    In diesen Sinne Peace.

  • MikeBelov sagt:

    Tja nun mal zum Statement.
    Waffen werden nicht nur von HK verkauft, sondern auch von anderen Herstellern. Was Menschen dann mit diesen tun oder nicht tun bleibt immer noch den Menschen vorbehalten.
    Es gibt gute sowie schlecht darunter. Wie gesagt, es kommt immer auf die Hand an die die Waffe führt. Und nicht der Hersteller.
    Es liegt in der Natur des Menschen , Gewalt auszuüben. Wie die Geschichte beweist. Also worüber regt Ihr Euch eigentlich auf? Das HK sehr erfolgreich ist? Oder ist es der Neid?

    Lasst doch mal die Kirche im Dorf. Ich gebe Euch recht, das durch Waffen sehr viele Menschen, darunter auch unschuldige zu schaden kommen. Darüber brauchen wir nicht zu Diskutieren. Es sind aber nicht immer Schusswaffen darin verwickelt, sondern viel mehr Hieb und Stichwaffen. Gewalt kann auch durch Worte ausgeübt werden.

  • Stephan Brües (Autor) (author) sagt:

    @MikeBelov
    Auch wenn ich Ihre Argumentation überhaupt nicht nachvollziehen kann, freue ich mich sehr, dass ich offenbar die Denkanstöße, die ich auslösen wollte, auch ausgelöst habe.

    Die ganze Republik lässt – mit wenigen Ausnahmen – seit 60 Jahren die Kirche im Dorf. Und meine Schuldzuweisung geht nicht allein an Heckler&Koch, sie geht an die Politik, die die von mir beschriebenen, in ihrer Wirkung so verheerenden Lizenzproduktionen veranlasst bzw. abgesegnet haben.

    Ich wollte mit meinem Artikel, sozusagen die andere Seite der Medaille beleuchten, die die mit wenigen Ausnahmen nie beleuchtet wird – weil sie sehr unschön ist und weil sie von uns, die wir uns der Arbeitsplätze erfreuen, der Wirtschaftskraft von H und K, den Steuereinnahmen für Oberndorf etc., eben lieber ausgeblendet werden.
    Also noch mal: danke für den Kommentar!

  • MikeBelov sagt:

    Ich stehe auf HK. Was die Regierung macht oder nicht macht, können wir sowieso nicht ändern. Denn wo man Geld verdienen kann da mischt dann auch die Obrigkeit mit.

    Für mich sind Waffen Kunst. Weil dort sehr viel Präzision enthalten ist.Andere hängen sich Bilder an die Wand und ich wenn ich dürfte HK.
    das Motto heißt Qualität und keine Kompromisse. Da stehe ich für ein.
    Danke für die Beantwortung:

    Müsste man sich mal privat treffen, um richtig zu diskutieren, Waffen pro und Kontra, wäre sehr interessant.

    Schönes Wochenende MikeBelov

  • StephanG sagt:

    wenn H&K der einzige produzent von solchen waffen wäre würde eine solche diskussion sinn machen.
    für jedes produkt das H&K herstellt gibt es ein halbes duzend anderer hersteller die gleich oder ähnlich effektive tötungsgeräte herstellen und verkaufen, meist deutlich billiger damit die armen leute in der 3. welt auch was zum morden haben……
    wenn H6K aus ethischen gründen die tore geschlossen hätte wären exakt gleich viele menschen getötet worden, nur mit einer anderen waffe.
    wenn jemand eine waffe kaufeen will um zu töten wird er eine kaufen und töten. wenn es keine H&K waffen gibt dann nimmt er eben eine andere waffe die verfügbar ist.
    pakistan suchte nach einer lizenz um seine armee und polizei auszustatten und sie kauften eine g3 lizenz. hätte H&K diese nicht angeboten dann hätte pakistan jetzt m16 oder ak47 oder ak74 etc.

    solange die waffenproduktion nicht WETWEIT gebannt wird macht es eingach keinen sinn die heimische industrie zu zerstören, vor allem wenn ein positiver effekt nicht existent ist.
    die waffenindustrie baut genau so viele waffen wie nachgefragt werden, wenn ein hersteller aussteigt wird nicht eine waffe weniger in umlauf gebracht.
    all das was ich oben geschrieben habe ist dem autor bekannt.

    herr brües was wollten sie mit diesem artikel ereichen?

  • Stephan Brües (author) sagt:

    Lieber Stephan G.

    ich habe glaube ich ziemlich genau geschrieben, was ich erreichen will.

    Es geht mir darum, klarzustellen, dass die Herstellung von Waffen nicht das selbe wie ist Kochtöpfe.

    Natürlich gibt es unendlich viele andere Waffenfabriken – das ist doch gar keine Frage. Aber heckler und koch ist die größte deutsche Firma.
    Und über sie habe ich Informationen.

    Es gibt innerhalb der War Resisters International eine ganze Kampagne gegen Kriegsprofiteure, also Unternehmen, die aus Kriegen, also dem Morden in aller Welt, Profite machen. In dem newsletter stehen auch mannigfaltige Aktionen gegen solche Firmen, gegen Messen, auf denen sich die Firmen präsentieren, sei es in Paris oder in London.

    Es gibt Gruppen, z.B. in Belgien, die Banken durch politischen Druck dazu gekriegt haben, dass sie ihr Geld aus der Finanzierung von Waffengeschäften herausziehen.

    Ich habe vor längerer Zeit dazu in einer anderen Publikation dazu was veröffentlicht. Vielleicht sollte ich das auch hier mal veröffentlichen.

    Kurz: Ich will mich mit der Haltung der meisten: es machen eh alle nicht abfinden. Und natürlich will ich, dass die Waffenproduktion
    WELTWEIT gebannt wird. Ich versuche es hier in Deutschland, und die amerikanischen, britischen, belgischen, spanischen, ecuadorianischen Friedensfreunde versuchen es bei sich.

    Ist das verständlich, Herr. G.?

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